HALLE 45

Geschichte

HALLE 45 - 170 JAHRE GESCHICHTE

Die Halle 45 besteht als ehemalige Phönix-Halle schon beeindruckende 18 Jahre als Veranstaltungsort. Verschwindend gering, betrachtet man sich ihre 170-jährige Geschichte. Sie lässt sich im Wesentlichen in drei bzw. vier Phasen zusammenfassen.

1760 kommt der junge Sattler Anton Gastl aus Oberbayern nach Mainz. Er lässt sich später mit einer Werkstatt für Sättel und Zaumzeug in der Umbach nieder und avanciert zum Hofsattlermeister. Ab 1820 werden Chaisen und Kutschen gefertigt, die Familie schreibt sich inzwischen Gestell und die Werkstatt ist in die Ludwigstraße umgezogen. Dort werden auch die ersten Eisenbahnwaggons für die 1840 eröffnete Taunusbahn hergestellt.

1845 übernimmt Otto Gastell die Geschäfte und gründet die „Waggonfabrik Gebrüder Gastell“. Neben Eisenbahn- und Straßenbahnwaggons werden Karosserien für Omnibusse und Personenkraftwagen, später auch LKW-Anhängern und -Aufbauten, hergestellt. Das Unternehmen beschäftigt bis 1912 rund 1.200 Mitarbeiter. Nach der Zerstörung des Werksgeländes mit insgesamt 22 Produktionshallen im Zweiten Weltkrieg, ist die Phönix-Halle mit Gebäudenummer 6345 der erste größere Neubau.

1956 wird das Waggongeschäft eingestellt und stattdessen vergrößert sich das Unternehmen durch einen Zusammenschluss mit der Kölner Omnibus- und Sonderfahrzeugfertigung KHD. Militärische und zivile Fahrzeuge, wie Brandschutz- und Amphibienfahrzeuge, Flugzeugschlepper und Radar-Antennenträger erweitern die Produktion.

1975 kommt es zur Ausgründung der IVECO, die die Nutzfahrzeugherstellung umfasst. Rund 60 Millionen D-Mark werden investiert und der Standort wird zu einer modernen Omnibusfabrik mit knapp 2.000 Beschäftigten.

1982 gibt die IVECO den Standort auf und verkauft an die Bundesrepublik Deutschland. Sie stellte das Gelände wiederum der Mainz Industries Panzerwerke zur Verfügung, die im Auftrag der US-Streitkräfte die Instandsetzung und Modernisierung von militärischen Fahrzeugen betreibt und 1987 mit 5.700 Mitarbeitern das größte und modernste Heeresinstandsetzungswerk außerhalb der USA ist.

Im Juni 1993 zieht sich die U.S. Armee aus Mainz zurück. Die MIT, Mainz Industrie Gesellschaft für Umwelt, Transport und Verkehr mbH, eine Neugründung der MIP- Geschäftsführung, übernimmt das Werk und schafft dort 800 neue zivile Arbeitsplätze. Ende 1994  ist diese Episode beendet und aus der Mombacher Fabrik wird ein Gewerbestandort für kleinere Unternehmen, Dienstleister und Organisationen. Das Gonsenheimer Werk wird niedergelegt und anschließend als Wohnquartier vermarktet.

Ende der 1990er wird das ursprüngliche Stammwerk der MIP abgerissen, dort befindet sich heute das Wohngebiet „Gonsenheimer Terrassen“.

1998 wird Halle Nummer 6345 zur provisorischen Bühne des Mainzer Staatstheaters und hebt „wie Phönix aus der Asche“ das kulturelle Leben in Mainz aus der Taufe. Die Phönix-Halle dient seitdem als Veranstaltungsort für unterschiedlichste kulturelle Events wie Konzerte, Theater, Opern, Kabarett, Tanz und Vorlesungen. 2000 kauft die Trierer Wohnbaugesellschaft TRIWO das Gelände. Die Stadt Mainz wird zum Zwischenvermieter. Seit 2008 ist die Berliner BEOS GmbH, eine internationale Investorengruppe, Inhaber des Mombacher Areals und vermietet an Künstler, Handel, Industrie und Logistikunternehmen.

Im Februar 2015 schließen sich die Pforten der etablierten Kulturstätte Phönix-Halle, nachdem der damalige Pächter keine Zukunft mehr für sich sieht. Das erste kulturgeschichtliche Kapitel für das Gelände der „Alten Waggonfabrik“ ist abgeschlossen.

 

 

Neustart als Halle 45

Anfang des Jahres 2015 ist Initiative „Rettet den Phönix“ geboren. Initiatoren waren die Geschäftsführer Ralph Heinrich und Thorsten Spode der in Mainz ansässigen Veranstaltungstechnik-Firma Light+Sound sowie der Rechtsanwalt und Unternehmerberater Dr. Hanns-Christian von Stockhausen. Mit ihrem Businesskonzept „Phönix-Halle 2.0“ wollten sie das einstige Provisorium des Mainzer Staatstheaters zukunftsfähig machen. Insgesamt beläuft sich die notwendige Investitionssumme auf rund 2,5 Mio. EUR, um die in die Jahre gekommene Veranstaltungshalle zu sanieren und auf den neusten Stand zu bringen - besonders im Hinblick auf heutige Sicherheitsstandards. 

Im August 2015 war der Neustart der Kulturstätte gesichert. Neben Kultur- und Konzertveranstaltungen werden in Zukunft auch vermehrt Corporate Events oder Sportveranstaltungen in der ehemaligen Industriehalle ein Zuhause finden. Da sich der vormalige Betreiber aus persönlichen Gründen nicht von den Namensrechten trennen wollte, wurde der Name in HALLE 45 geändert. Die Bedeutung ist historisch ähnlich gewachsen wie der seit 1948 bestehende Name Phönix-Halle, nur weniger bekannt – 1983 führten die Mainz Industries Panzerwerke die Gebäudenummerierung auf dem Areal der Alten Waggonfabrik ein. Da alle Gebäude auf dem Gelände durchnummeriert sind, jeweils beginnend mit der 63 und die Phönix-Halle das Gebäude 6345 ist, wurde der Name auf HALLE 45 gekürzt.